Nicht auslassen: The Cindy Sherman Effect im Kunstforum Wien

Sehr spät aber doch, habe ich nun Zeit gefunden, mir die Ausstellung The Cindy Sherman Effect – Identität und Transformation im Kunstforum Wien im Rahmen einer Überblicksführung anzusehen. Cindy Sherman ist eine amerikanische Fotografin, die sich  sich in ihren Werken schon sehr früh mit Geschlechterrollen und der Konstruktion von Identität auseinandersetzte. Ihr eigener Körper spielt zumeist die Hauptrolle in diesem Rollenspiel, in dem sie die äußere Einflüsse hinterfragt.

Cindy Sherman, Untitled#112, 1982 Chromogener Farbabzug 451/4x30in. |114,9x76cm Kröller-Müller Museum, Otterlo, The Netherlands, Courtesy of the artist and Metro Pictures, NewYork

Untitled Film Stills

Ihre Fotos der Reihe „Untitled Film Stills“ sind tatsächlich wie film stills angelegt. Sie wirken also wie ein Standbild aus einem Film und zeigen oft auch den Moment, nachdem etwas passiert ist. Tränen in den Augen, ein geöffneter Brief und andere Hinweise, lassen Interpretationsspielraum für die Betrachterin. Beeinflusst wurde Cindy Sherman vom amerikanischen Fernsehen und dem Rollenbild, das in den Filmen der 50er und 60er Jahre vermittelt wurde. Nicht immer geht es so dramatisch zu. Bei manchen Serien wird auch leiser getreten: so zeigt Sherman wie sie in die Rollen von vielen unterschiedlichen Bus-Fahrgästen schlüpft. Männlich, weiblich, schwarz, weiß – alles fließt bei ihr.

History Portraits

In der Serie History Portraits inszeniert Sherman ihre Fotos im Stile der alten Meister. Als Kunstgeschichte-Studentin habe wirklich viele „Maria Lactans“-Gemälde gesehen…umso lauter mein Lachen beim Erblicken dieses Fotos und der Brustprothese.

Cindy Sherman, Untitled #216, 1989 Chromogener Farbabzug 87 1/8 x 56 1/8 in. | 222 x 143 cm Astrup Fearnley Collection, Oslo, Norway Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Der Vergleich mit dem Vergleich

Mich hat die Gegenüberstellung der Werke an die Ausstellung The Shape of Time im KHM erinnert. Wobei ich den Vergleich im Kunstforum kuratiert von Bettina M. Busse durchgängiger und besser nachvollziehbar empfunden habe, was natürlich daran liegt, dass sich Identität als roter Faden durchzieht. Im ersten Augenblick fand ich den %-Satz der ausgestellten Männer etwas zu hoch. Allerdings geht es ja nicht nur um Feminismus, sondern vor allem eben um Identität und dazu hat ja jeder etwas zu sagen.

Ausstellungsbesuch, weil…?

  1. Künstlerische, feministische Arbeit aus der „Front Row“ betrachten.
  2. Zum Nachdenken anregende Gegenüberstellungen von der nachfolgenden Künstler*innen-Generation: Pipilotti Rists Videoinstallation ist sehr sehenswert, aber auch Tejal Shas queere Arbeit oder die Fotografien von Materine Guttierez haben sich bei mir eingeprägt. Und von Catherine Opie bin ich sowieso seit dem KHM-Talk begeistert. Achja und Candice Breitz „Becoming“ aus 2003 ist auch sehr sehenswert und zeigt wie reduziert Vokabular, Gestik & Mimik bei Hollywood-Schauspielerinnen waren (sind).
  3. Vor oder nach dem Ausstellungsbesuch unbedingt in den Keller schauen, denn da hängt frische Kunst – z.B. von Nana Mandl und Sophia Süßmilch

Pipilotti Rist, Ever is Over All, 1997, MoMa-Sammlung Fotocredit: Fridays at the museum


Tipp: Ich würde Sherman-Anfängerinnen zu einer geführten Tour raten. Meine Tochter und ich sind heute mit Kunstvermittlerin Karen Oldenburg durch die Ausstellung gezogen und konnten viel mitnehmen.

Am 10. Juli gibt es ein Zoom-Event: „Zu Gast bei Viktoria Pfefferstein – ein interaktives Kunsterlebnis“.

Mehr Infos inkl. Video der Kuratorin auf der Website des Bank Austria Kunstforums

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