Vik Muniz mit „Verso“ im Belvedere

Mein Dienstag stand ganz im Zeichen von Vik Muniz, dessen Ausstellung „Verso“ gestern Abend im Oberen Belvedere eröffnet wurde. Dazu passend gab es am Nachmittag einen „Artist Talk“ mit dem Künstler, der von Nina Schedlmayer geführt wurde und spannende Einblicke in die Arbeit, Schwerpunkte und gesellschaftliche Verantwortung des Künstlers gewährte.

Vik Muniz, Verso im Oberen Belvedere

Ausstellungsansicht „Vik Muniz. Verso“, Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien

Vik Muniz zeigt uns die Kehrseite

Verso zeigt die Rückseite von bekannten Masterpieces. Muniz entschied sich hier sehr bewusst nur Stücke zu bearbeiten, die „man kennt“. Also z.B. die Mona Lisa, die Sternennacht und jetzt auch Klimts Kuss und Schieles Umarmung. Warum soll der Besucher die Werke kennen? Klar, damit ein Bild im Kopf entsteht, wenn man sich die Rückseite ansieht, die der Künstler bis ins kleinste Detail nachbildet. Wie Nina Schedlmayer im Talk auch angesprochen hat, steht man als Besucher vor der Rückseite und für einen ganz kurzen Moment glaubt man und will man glauben, dass es sich um das Original handelt, dem wir ob der Bekanntheit einen ganz besonderen Wert zusprechen. Das Setting in Muniz Ausstellung: der Moment vor dem Aufhängen. Die Bilder stehen mit der Rückseite zum Besucher an die Wand gelehnt.

Muniz erzählt von BesucherInnen, die einen Blick auf den Raum geworfen hätten und nie wieder zurückkehrten. Das Gefühl, dass man falsch abgebogen ist, ist eine mögliche Reaktion auf „Verso“. Eine andere, die schönere, ist das Angezogen werden von dieser neuen Ansicht eines Kunstwerks.

Die Umarmung von Egon Schiele, Fotocredit: fridays at the museum

Kehrseite von Egon Schieles Umarmung by Vik Muniz, Fotocredit: fridays at the museum

Die Faszination der Rückseite

Die Vorderseite ist – natürlich – abgeschlossen, denn der Künstler hat sie vollendet (außer der Künstler ist Leonardo, der würde das jetzt vielleicht bestreiten). Sie wird vielleicht im Laufe der Jahre restauriert oder gereinigt, aber sie sieht immer gleich aus. Die Rückseite aber ist einem stetigen Wandel unterzogen: es gibt neue Etiketten, wenn das Bild auf Reisen geht und auch Konvervierungs- bzw. Restaurierungsmaßnahmen verändern die Rückseite immer wieder. Vik Muniz hat es sich zum Ziel gemacht, den aktuellen Status der Rückseite „seiner“ Meisterwerke exakt nachzubilden.

Vik Muniz bildet bis ins kleinste Detail nach!

Auf der Jagd nach den Materialien

Eine exakte Nachbildung ist alles andere als einfach. Die Materialien sind alt und sind teilweise gar nicht mehr so einfach zu finden. Aber glücklicherweise > „Crazy finds crazy“ wie der Künstler erzählt. Und so endet z.B. die Suche nach dem richtigen Leinen erfolgreich, denn eine Sammlerin alter Webrahmen wurde gefunden, die dabei helfen konnte, das exakt richtig gemusterte Leinen herzustellen.

Ein anderes einprägsames Beispiel, das er im Rahmen der Diskussion über den Aufwand, ,der betrieben wird, erzählt: Für den Rahmen der Mona Lisa wurde ein ganz spezieller Baum nach den Vorstellungen von Leonardo da Vinci gefunden bzw. gefällt und so bearbeitet, dass der Rahmen exakt die kleine Kurve, die der Originalrahmen schlägt, berücksichtigt. Besonders stolz erzählt Vik Muniz davon, dass die Konservatoren bei einer testweisen „Gegenüberstellung“ der Rückseiten seine Mona Lisa als Original auswählten.

Hervorheben muss man nicht nur Vik Muniz Arbeit als Künstler, sondern auch seine sozialen Projekte, in denen er insbesondere Jugendlichen hilft, Zugang zu (künstlerischer) Arbeit zu finden.

Ich bin jedenfalls hooked und freu mich schon auf den nächsten Verso-Besuch! Mehr zur Ausstellung gibt es wie immer auf der Website des Belvedere.

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