Julia Haugeneder: Faltenfrei ist out

Julia Haugeneder

Zum ersten Mal ist mir Julia Haugeneder beim den Vorbereitungsarbeiten zum Diplomrundgang 2019 an der Akademie der bildenden Künste aufgefallen. Gleich ums Eck von Leo Mayr bin ich bei den außergewöhnlichen Faltobjekten hängen geblieben.

Atelierrundgang in den Grafikstudios der Akademie der Bildenden Künste, Arbeitsplatz Julia Haugeneder

Meeting Nummer 2 fand dann am Parnass-Stand bei der Parallel 2019 statt. Und weil aller guten Dinge 3 sind, habe ich beim dritten Intermezzo nun endlich auch die Künstlerin getroffen. Julia Haugeneders Atelier, das ich leicht schnaufend erreiche, befindet sich in einem Gebäude am WUK-Areal. Dank der weißen Wände, der Aufgeräumtheit (ist das ein Wort?) und aktuellen Objekten im Raum fühlt man sich ein bisschen wie in einer Galerie. Nur gemütlicher. Und mit Kaffee. Und Hund.

Der Weg

Meine Vorbereitung ist Neugierde und so verbringen wir den Termin mit Erzählungen von Julia wie sie zum Format ihres Werkes gelangt ist. In Kurzform: Videoklasse – zuviel Theorie – Kaltnadelradierung – Buchbinden – Materialliebe – Drucke obsolet. Und wir sprechen auch darüber, wie der Ort der Ausstellung sich auf die Werke auswirkt. Sie eignet sich den Ort nicht an (wir schweifen kurz zu Daniel Buren ab), aber sie will ihre Arbeiten auf den Ausstellungsort vorbereiten.

Julia Haugeneder Fotocredit: Heribert Corn, Wien Museum

Wie entsteht eine Arbeit von Julia Haugeneder?

Den Prozess bezeichnet sie als expansiv: Leim und Gips plus die Farbpigmente werden vermischt und von ihr als dünne Schicht auf den Boden ausgegossen. Über mehrere Tage trocknet die Mischung und am Ende dieser ersten Phase gibt es für die Künstlerin jedes Mal aufs Neue eine Überraschung. Nämlich was beispielsweise Farbentwicklung, Konsistenz, Brüchigkeit der dünnen Plastikhaut betrifft – denn das genaue Ergebnis kann man wegen des superweißen Leims vorher nie wissen.

Und dann geht es an die Faltung der – zumeist farbenfrohen – Objekten. Julia Haugeneder biegt, zieht und faltet intuitiv. Wiederholt. Bis aus diesem „Dialog“ ein Objekt entsteht. Das heisst: es gibt vorab keinen Plan vom fertigen Werk. Es gibt ein Material, einen Prozess und ein Endergebnis. Ein „Begreifen“, bei dem die Falte eine zentrale Rolle spielt. Denn durch die Falte gibt es überhaupt erst ein Innen und Außen, existieren Wendungen. Das klingt jetzt einfach, aber hinter dem Prozess stehen viele Entscheidungen, die erst nach dem Trocknen getroffen werden. Dann wird nämlich erst  sichtbar, welche Eigenheiten das Material hat und an welchen Stellen es gefaltet wird.

flooring, MUSA, Fotocredit: Julia Haugeneder

Faltenbildung ist übrigens eine alte Bekannte in der Kunst, denn Falten wurden ja immer schon auf Skulpturen aller Materialien oder in Gemälden geworfen – im Barock auch gerne exzessiv.

Falten sind ein kulturelles Phänomen der Ordnung.

Gruppenbildung

Mal groß, mal am Boden stehend, mal an der Wand angebracht. Aber nie allein, immer in Gruppen, die sie fast subjektivierend als zusammengehörig sieht. Kurz: sie sind „eine Partie“ 😉

„Faltung 85-102“ von Julia Haugeneder für die Wanderausstellung „black & white“ (Kuratorin: Silvie Aigner) Fotocredit: Fridays at the museum

Fluchtmöglichkeit, wie beim aktuellen Projekt für eine Wanderausstellung, manchmal inklusive. Da Haugeneder noch nicht weiß, wie die einzelnen Ausstellungsorte aussehen werden, bekommen die schwarz-weißen Faltungen, die eine Ausnahme zu ihren farbintensiven Arbeiten darstellen, einen flauschigen Untersatz mit, auf dem sie sich definitiv wohl fühlen können. Die Positionierung soll geplantermaßen in der Nähe des Ein- bzw. Ausgangs stattfinden und ist schon auf den „Ernstfall“ ausgerichtet: 2 der Skulpturen sind schon Richtung Ausgang unterwegs.

 

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