Gottfried Helnwein: „I saw this“ am Ringturm

Vor kurzem war ich zu einem besonderen Event eingeladen: eine Besichtigung des neuen Ringturm-Sujets von Gottfried Helnwein. Und zwar gemeinsam mit einer Gruppe von interessierten Menschen UND Gottfried Helnwein himself. Organisiert wurde die Veranstaltung vom sympathischen Team der Wiener Städtischen, die den Ringturm jährlich verschönert.

Gottfried Helnwein

Gottfried Helnwein über den Dächern Wiens. Fotocredit: Dani Terbu, Fridays at the museum

Ringturm 2018: Gottfried Helnwein
Als bereits 11. Künstler kommt 2018 Gottfried Helnwein zum Zug. Das Sujet, das aus seinen Werken „The Disasters of War 49“ und „The Disasters of War 60“ entstanden ist, umgibt den Ringturm auf 4.000 m² und wird sicher bei so manchem Betrachter ein heftiges Gefühl auslösen, denn das kleine Mädchen, die eine Uzi in der Hand hält, kann einen nicht kalt lassen. Auf die Frage, woher die Inspiration für die Kriegsbilder stammt, antwortet Helnwein, dass ein Bild von Francisco de Goya, dem bekannten spanischen Maler und Grafiker, ihn auf diese Möglichkeit des „Hinzeigens“ aufmerksam gemacht hat. Goya war einer der ersten, der den Krieg nicht durch seine Bilder veherrlicht, sondern durch seine Grafiken auf das Schreckliche hingezeigt hat. Eines seiner Werke trägt den Titel: „I saw it“ – man kann es auf der Prado-Website ansehen.

Auf der Rückseite des Gebäudes brennt eine Stadt vor den Augen einer überdimensionalen Manga-Figur lichterloh, im Hintergrund sind Menschen vor einer Welle von meterhohen Flammen und Rußwolken zu sehen. Gottfried Helnwein protestiert mit seiner zweiteiligen Komposition gegen Terror und Krieg.

Helnwein will aufrütteln, will hinzeigen und die Stadt mit einem lauten „Never forget“ aufwecken. Wir sind die Kriegs-Gewalt aus den diversen Medien „gewohnt“, aber kann es wirklich sein, dass uns ein Kind mit einer Waffe in der Hand, mit der sie aktiv am Krieg teilnimmt, wirklich egal ist? Meine 6-jährige Tochter hat mich kürzlich gefragt, ob denn alle mitmachen müssen, wenn Krieg herrscht. Betrachtet man dieses Bild, dann ist die offensichtliche Antwort: „Ja.“ Einer der Momente im Leben, in denen man sich denkt „Verdammt, was passiert da eigentlich und wie können wir den Wahnsinn stoppen“.

Erschüttern, aufrütteln, hinzeigen: I saw this von Gottfried Helnwein am Wiener Ringturm. Fotocredit: Dani Terbu, Fridays at the museum.

Ich muss zugeben, dass mich Helnweins Bilder zumeist verschrecken. Man denke an seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern oder die Disney-Figuren. Ich hatte daher auch irgendwie Respekt vor dem Zusammentreffen. Wie es sich herausstellte war Gottfried Helnwein überaus auskunftsbereit, geduldig und ein großartiger Gesprächspartner für alle interessierten TeilnehmerInnen bei diesem Artist Walk.

Cool und gesprächsbereit: Gottfried Helnwein beim Artist Walk der Wiener Städtischen. Fotocredit: Dani Terbu, Fridays at the museum

Und bei aller Ernsthaftigkeit des Themas blieb auch noch Zeit für Unterhaltung – nämlich beim Liftfahren – so ist das Leben…mal up, mal down.

Gottfried Helnwein, Selfie

Selfie mit Künstler. Gottfried Helnwein am Weg durch den Ringturm. Fotocredit: Dani Terbu, Fridays at the museum

 

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