Otto Wagner Führung: Die weisse Stadt

Otto Wagner Manie in Wien. Kein Wunder, denn der 100. Todestag des Jugendstil-Architekten jährt sich heuer. Neben einer großartigen Ausstellung im MAK, gibt es auch viele andere Schauplätze, an denen man Otto Wagner erleben kann. Durch einen glücklichen Zufall an der Uni habe ich entdeckt, dass es in meiner Wohnumgebung nicht nur die Otto Wagner Kirche und das Jugenstiltheater zu erleben gibt, sondern auch ein altes Schwimmbad mit wunderbaren Glasmosaiken. Nach einigen Infomails mit der zuständigen Abteilung des Spitals war eine private Otto Wagner Führung gebucht und glücklicherweise schnell 12 weitere Interessierte gefunden. Die Führung trägt den Titel „Die weisse Stadt“ und dauert ca. 2,5 Stunden.

Zusatzglück: Fotografin Nadja Büchler war unter den TeilnehmerInnen und hat mir die Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt – vielen Dank Nadja!!

Wunderschöne Fenster mit Mosaiken. Fotocredit: Nadja Büchler

Wagner ist einer der bedeutendsten österreichische Architekten und führte die die Architektur vom Historismus in die Moderne. Er trat für eine neue Baukunst ein, die sich am modernen Leben orientierte. Die Wienerinnen und Wiener (Kaiser inklusive) waren skeptisch und lehnten die modernen Bauten teilweise ab. Für die Steinhof Kirche wurde z.B. der Spottname „Kirche am Lemoniberg“ gefunden, da die goldene Kuppel aussieht wie eine halbe Zitrone.

Die Otto Wagner Führung beginnt im Bereich des ehemaligen Sanatoriums, wo der Festsaal des Kurhauses der gesellschaftliche Mittelpunkt war. Gleich anschließend findet sich die ehemalige Schwimmhalle, die uns mit toll erhaltenen Glasmosaik-Fenstern begrüßt. Der Rest des Schwimmbades ist nicht so gut erhalten, Wände und Fliesen sind teilweise beschädigt. Wir erfahren, dass der Schwimmbad-Teil eher den gut „betuchten“ Gästen des Sanatoriums zur Verfügung stand und nicht den Insassen der Psychatrie.

Fliesen im Schwimmbad – ohne Fugen gesetzt. Fotocredit: Nadja Büchler

Danach geht der Weg weiter zum damals sogenannten Gesellschaftshaus, in dem auch ein Theater zur Zerstreuung der Patienten eröffnet wurde. Heute ist es als Jugendstiltheater bekannt. Auch das Mahnmal vor dem Theater mit den 722 Stelen, die an die ermordeten Kinder in der NS-Zeit erinnern, wird nicht ausgelassen. Interessantes Detail: eine 15-jährige Schülerin hat mit diesem Vorschlag eine Ausschreibung gewonnen.

Im Jugenstiltheater. Fotocredit: Nadja Büchler

Im Jugenstiltheater. Fotocredit: Nadja Büchler

Im Jugenstiltheater. Fotocredit: Nadja Büchler

Am höchsten Punkt der Anlage liegt die Otto-Wagner-Kirche mit welcher die Führung abschließt. Wir dürfen auch einen Blick in den Keller werfen, in dem z.B. Fliesen gelagert werden. Räume für alle Religionen wurden geplant – allein, es fehlte das Geld.

Steinhofkirche von außen. Fotocredit: Nadja Büchler

Unter der Steinhofkirche. Fotocredit: Nadja Büchler

Fenster in der Steinhofkirche mit Koloman Moser Glasmosaik. Fotocredit: Nadja Büchler

Glasmosaik Koloman Moser an der Front der Steinhofkirche. Fotocredit: Nadja Büchler

Das gesamte Areal wurde übrigens innerhalb von drei Jahren aus dem Boden „gestampft“. Otto Wagner und sein Team haben wirklich auf alle Details geachtet und vor allem versucht, ein rundum angenehmes Areal für die PatientInnen zu schaffen. Die weiße Farbe sollte zB beruhigend wirken. In der Kirche wurde dafür gesorgt, dass alles gut aufwischbar ist, sollte es zu Verunreinigungen jeglicher Art kommen. Das Gelände wurde nicht nur als „Irrenanstalt“ [sic], sondern auch als Sanatorium für Menschen, die es sich leisten konnten, genutzt. Unter den PatientInnen waren auch Prominente wie Thomas Bernhard.

Die Otto Wagner Führung ist übrigens nur privat buchbar und kostet mindestens € 200. Es empfiehlt sich also eine größere Runde „zusammenzutrommeln“. Mehr Informationen bzw. eine Anfragemöglichkeit gibt es auf der Website des Otto Wagner Spitals. Ich kann Frau Regine Spreckelsen-Berger sehr empfehlen – sie hat unsere Runde durch das Areal geleitet.

 

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