Figure of a Child von Tolia Astakhishvili im mumok

Im Moment erkennt man das mumok kaum wieder (na gut, außer vielleicht an den üblichen flüsternden Stimmen aufgrund der White-Cube-Kirchen-Anmutung in den oberen Stockwerken). Aber Ebene 0 und auch das Untergeschoss, heben die Strenge auf, auch wenn es im UG auch sehr leise zugeht – allerdings aus anderen Gründen. Gibt es eigentlich wissenschaftliche Literatur zu nicht vorhandenen Lautstärken in manchen Museen? Masterarbeitsthema incoming würd ich sagen!

Aber genug geplänkelt. Ich empfehle, beim nächsten Besuch den Lift oder die Treppe ins Untergeschoss zu nehmen, auf der Ebene des Kinos auszusteigen und sich nicht von der Baustellen-Anmutung abschrecken zu lassen (wir wären fast wieder gegangen). Denn: ja! Das ist der Eingang zu Figure of the Child von Tolia Astakhishvili.

Fotocredit: mumok Presse / Detailansicht: Singing out of doors, 2026
Baumaterial, gewebtes Polypyren, Aluminiumfolie, Fundstücke, Licht, Courtesy the artist, LC Queisser and Emalin. Foto: Tolia Astakhishvili Studio

Was einen dort erwartet sind Räume und Zwischenräume aus Gipskarton, Rohren, Planen, alten Möbeln, Bildschirmen und Fundstücken. Irgendwie unfertig, provisorisch oder verlassen und baustellenartig, wie ein Keller oder ein Ort, an dem einmal jemand gewohnt hat. Dazu kommen Arbeiten von Freund:innen, ihrer Familie und Werken aus der mumok-Sammlung. Was davon was ist, lässt sich nicht mehr so genau sagen, aber das ist Teil des Konzepts.

Fotocredit: mumok Presse / my emptiness, 2025–26 Baumaterial, ausgegrabene Rohre, Badewanne, Duschwanne, Spiegel, Licht
482.5 x 643 x 431 cm Courtesy the artist, LC Queisser and Emalin. Foto: Tolia Astakhishvili Studio

Die „Figure of the Child“ ist dabei natürlich nicht das reale Kind, sondern eine Denkfigur. Ein Kind ist neugierig, schaut auf Dinge oft zum ersten Mal und eignet sich Räume anders an als Erwachsene. Gleichzeitig ist es abhängig und verletzlich. Astakhishvili stellt Fragen nach Zuhause, Sicherheit und Zugehörigkeit: Was braucht es, damit ein Raum zu einem Zuhause wird? Was bleibt normalerweise verborgen? Und wem oder was schenken wir überhaupt Aufmerksamkeit? Im Untergeschoss des mumok werden deshalb auch Rohre, Schächte, Kabel und andere Teile der Gebäudeinfrastruktur sichtbar, die ein Museum normalerweise lieber versteckt.

Fotocredit: mumok Presse / I would like to return and say I am back and it’s nice on the other side, 2026 Collage mit Fotografien von Maka Sanadze, Digitaldruck auf Holz 46,6 x 36,2 cm © Tolia Astakhishvili

Und dann ist da noch die Frage nach dem Wert. Astakhishvili stellt Dinge und Werke nebeneinander, die im Museum normalerweise völlig unterschiedlich behandelt würden: Picasso neben Fundstücken, Kunst aus der Sammlung neben Arbeiten von Freund:innen und Gebrauchsgegenstände neben Skulpturen. Es ist nicht so, dass es keine Hierarchie gibt, eher wird sie betont. Man bewegt sich durch ein Geflecht aus Räumen, Bildern und Objekten und entdeckt immer wieder kleine Ausstellungen innerhalb der Ausstellung. Vielleicht ist das auch der beste Zugang dazu: nicht alles verstehen wollen, sondern schauen, wo man hängen bleibt.

Tolia Astakhishvili wurde 1974 in Tbilisi geboren und lebt und arbeitet heute in Tbilisi (Tiflis) und Berlin. Sie arbeitet mit Skulptur, Zeichnung, Video, Sound und Architektur und entwickelt daraus meist große, raumgreifende Installationen. Figure of the Child ist ihre erste museale Einzelausstellung und läuft im mumok noch bis 1. November 2026.

Mehr Beiträge aus dem mumok: Park McArthur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert