Daniel Uchtmann: Die Sieben Todsünden – ein (Hör-)Buch

Was für eine erfreuliche Buch-Lieferung, die in meinem Postkästchen gelandet ist. Zugegeben, es ist schon ein paar Wochen her, aber meine Kunden und der Uni-Seminararbeitsstress gehen natürlich vor. Daher spät, aber doch rechtzeitig – weil das Produkt eine zeitlose Schönheit ist – meine Gedanken dazu…

Der Autor: Daniel Uchtmann

Kunsthistoriker (am KHM) Daniel Uchtmann hat sich auf eine Reise außerhalb des Museums begeben, um die Sieben Todsünden im echten Leben zu suchen & finden und dabei Kunst, Menschen, Leben, Geschichten zu verbinden. Im fertigen Buch begegnen sich alte Meister und der Cum-Ex-Skandal als Sinnbild der Gier, ebenso wie Peter Bruegel der Ältere und die Wienerin Thekla Kaischauri, die in ihrem Leben als Wrestlerin in Japan die Maßlosigkeit zelebriert. Wie mein Beitragstitel schon andeutet, ist es ein echtes two-in-one-Produkt: ein hochwertig gestaltetes Buch und ein großartig produziertes Hörbuch in einem. Man kann also gleichzeitig zuhören und blättern – sozusagen Kopfkino mit Umblätter-Geräusch.

Ein paar erste Einblicke ins erste Kapitel gefällig?

Kapitel 1: GIER

„Die Sünde, mehr haben zu wollen, als man besitzt.“
Das Kunstwerk zur Gier: Die Berufung des Apostels Matthäus – Jan Sanders van Hemessen um 1548.

Die eigentlich biblische Szene (Jesus betritt den Raum und ruft Matthäus) verlegt van Hemessen in seine Gegenwart, nämlich in eine geschäftige Amtsstube in Antwerpen, damals der pulsierende Nabel des europäischen Handels. Männer beugen sich über Münzen, zählen, rechnen, kassieren und bemerken Jesus gar nicht, der ihnen den Weg weist.

Berufung des Apostels Matthäus, Jan Sanders van Hemessen, um 1548. Fotocredit: Fridays At The Museum

Ausschnitt: Berufung des Apostels Matthäus, Jan Sanders van Hemessen, um 1548. Fotocredit: Fridays At The Museum

Ausschnitt: Berufung des Apostels Matthäus, Jan Sanders van Hemessen, um 1548. Fotocredit: Fridays At The Museum

Uchtmann bleibt nicht beim „Das sehen wir hier…“, sondern zoomt hinein. Ist ein geknickt dargestellter Finger ein Zufall oder moralischer Kommentar? Zeigen bestimmte Blicke den Geschäftssinn oder schon Gier? Uchtmann spekuliert, denkt laut und plötzlich ist man nicht mehr im 16. Jahrhundert, sondern mitten in Finanzskandalen, Steuertricks und der ewigen Frage: Wann ist genug eigentlich genug?

Genau so finde ich Kunstgeschichte cool. Als Spiegel bzw. aufgedröselt in viele spannende Details, auf die man alleine gar nicht kommen würde. Hinweise, wo man im Bild überall hinsehen kann und dann eben noch verknüpft mit 7 spannenden Personen. Im Kapitel 1 ist das Anne Brorhilker. Sie war viele Jahre Oberstaatsanwältin in Köln und eine der zentralen Figuren bei der strafrechtlichen Aufarbeitung der Cum-Ex-Geschäfte. Außerdem leitete Brorhilker die maßgeblichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln, brachte die ersten großen Cum-Ex-Strafprozesse vor Gericht und erreichte wegweisende Urteile – auch gegen prominente Banker. Gemeinsam mit ihrem Team arbeitete sie sich durch Millionen von Dokumenten, rekonstruierte internationale Geldflüsse, verschachtelte Firmenkonstruktionen und hochkomplexe Finanzmodelle – eine jahrelange Detailarbeit gegen ein ebenso komplexes wie milliardenschweres System. Kunst meets Krimi quasi.

Das Buch ist eine Einladung, die Todsünden nicht nur als kirchliche Kategorie zu lesen, sondern als zutiefst menschliche Zustände. Gier, Neid, Zorn, Wollust – wir alle kennen sie.  Der Band ist übrigens nicht nur innen hui, sondern auch außen: schweres Papier, großzügige Bildausschnitte, viel Raum zum Schauen. Definitiv mit Liebe gemacht!

Die Sieben Todsünden von Daniel Uchtman erschienen im sisigrant-Verlag gibt es online zu kaufen und im gut sortierten Buchhandel!

Ja, ich habe das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar kostenlos bekommen.

Weiterführende Links
KHM
sisigrant

 

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