Gallerywalk: Brotfabrik

Die Brotfabrik Wien ist ein Kulturareal auf ca. 17.000 m², auf dem man eine Eventhalle, Galerien, Ateliers, Schauräume, Büros, Lofts und Gastronomieeinrichtungen findet. Über ein Facebook-Posting in einer meiner Kunstgeschichte-Gruppen bin ich auf eine Info von Isabella Hofmann aufmerksam geworden, die zum „Gallerywalk“ in die Brotfabrik Wien geladen hat. Da ich eine leichte Hemmschwelle beim „Galerie betreten“ habe, weil ich ja kein Käufer, sondern nur Betrachter bin, hab ich die Gelegenheit natürlich genutzt und mich angemeldet.

Vor Ort haben wir uns in der Kantine der Caritas getroffen und Caritas war auch gleich das Stichwort für die erste Galerie, die wir gemeinsam besucht haben: Atelier 10. Wir hatten Zeit uns die Ausstellung „Sonnenterror“ anzusehen, die noch bis 20.12. die Werke von Franza Maier und Katharina Kleibel zeigt. Florian Reese, der Leiter der Galerie, hat uns nach einer kurzen Begrüßung herumgeführt und Details zu den Künstlern und Mission der Galerie erzählt. Definitiv ein Vorteil des Gallerywalks- man kommt zu mehr Informationen und damit zu einem besseren Kunstverständnis.

Die beiden ausgestellten Künstlerinnen arbeiten ganz unterschiedlich. Franza Maier arbeitet mit starken Kontrasten, mischt abstrakte mit figurativen, zeichnerische mit malerischen und geometrische mit organischen Elementen.

Franza Maier, Atelier 10

Katharina Kleibel hingegen hat die Schrift als ihr Ausdrucksmedium auserkoren und transformiert mit ihren Texten, die sie auf den Stoffen anbringt, Textilien zu Kunstobjekten. Ihre aufmerksamkeitsstarken Werke werden installationsartig präsentiert.

In ihrer Arbeit bricht sie die Symmetrie der Kleidung, vernäht die Applikationen oder lässt sie lose baumeln. Ihre Objekte sind formal und farblich von harten Kontrasten geprägt – sie wirken trashig, fragil, frei von Chic.Atelier 10

Katharina Kleibel, Atelier 10

Katharina Kleibel, Atelier 10

Danach ging es weiter zur Galerie OstLicht, in der die erste umfassende Einzelausstellung der jungen Fotografin Elizaveta Porodina gezeigt wird. Ein Schwerpunkt dabei: die Bilder, die rund um die Band „Bilderbuch“ (JA, ich bin FAN) entstanden sind. Aber es werden auch viele andere beeindruckende Fotos gezeigt, man muss also kein Kenner der österreichischen jungen Musikszene sein, um die Ausstellung zu genießen. Isabella hat uns hier zu Beginn einige Startinfos gegeben und dann blieb wieder Zeit, die Ausstellung alleine zu erkunden.

Mein persönlicher Lieblingsort im Zuge dieses Gallerywalks war die Galerie Hilger next bzw. Hilger Brotkunsthalle, die gerade den Schwerpunkt „Terra Incognita“ mit Werken von Künstlern aus Australien, Südost Asien & der pazifischen Region zeigt. Kuratiert wurde Terra Incognita von Matthias Arndt (Berlin) im Rahmen von „curated by_vienna“. Der Schwerpunkt endete leider am 4.11., dafür gibt es beim nächsten Gallerywalk etwas Neues zu sehen ?. Die Hilger BROTKunsthalle wurde schon 2009 eröffnet und repräsentiert das Laboratorium der Galerie für kuratorische Projekte und Einflüsse. Eines der Projekte hab ich vor einigen Jahren bei einem Instawalk kennengelernt: das Projekt Cash, Cans & Candy. Arbeiten, die im Rahmen des Projektes entstanden sind, kann man heute noch im 4. Bezirk (Start zB auf der Mauer gegenüber vom Anton Benya Park) sehen.

Artist: YEO KAA (@yeokaa ) is a 27-year old emerging female artist from the Philippines. Artwork: Overthinking

Artist: YEO KAA (@yeokaa ) is a 27-year old emerging female artist from the Philippines. Artwork: Overthinking

Nicht zuletzt hab ich Patricia Piccinini bei Hilger entdeckt, eine australische Künstlerin, die mit ihrer Kunst unter anderem auf die Auswirkungen von Biotech hinweisen will.

Artist:  Patricia Piccinini (@patricia.piccinini ) Artwork: "Unfurled" (2017), Silicone, fibreglass, human hair, masked owl, found objects . During the #gallerywalk we also visited Galerie Hilger NEXT which currently shows 18 contemporary artworks from Southeast Asia and Australia. One of the artists is Patricia Piccinini (Australia) with her work "Unfurled". First I found it rather creepy – maybe because it looks very realistic. But a closer look showed some kind of compassion between child and owl. As if the animal wants to show something to the girl. Patricia Piccinini is known for her hybrid people-animals, her exploration of genetic manipulation and her question regarding the role nature plays in the equation man vs. machine. . I searched the web for more artworks of her and I have to say that I’m in love with her work. Hope to see more in real life soon! 🙂 . Curator: Matthias Arndt (@arndtartagency ) Exhibition: „terra incognita“ (curated by_vienna 2017) ////////// #terraincognita #galeriehilger #hilgernext #curatedbyvienna #PatriciaPiccinini #skywhale

A post shared by Fridays at the museum (@fridaysatthemuseum) on

Vorletzte Station war das Lichterloh, wo man stylishes Möbeldesign bewundern und einiges über österreichische Designklassiker erfahren konnte.

Und last but not least ging es in die Galerie-Heimat von Isabella, die AnzenbergerGallery mit der Fotoausstellung „Abstract Minds“ von Alexandra Diaconu und Janina Simone Kulcsar. AnzenbergerGallery zeigt Fine Art Photography und bietet neben leistbaren Prints auch zeitgenössisch-relevante Fotografiekunst oder auch seltene Vintagefotografien an. Jährlich gibt es 5 Ausstellungszyklen, in denen junge, unbekannte oder international bekannte Künstler ihre Werke präsentieren.

 

Damit ich noch mehr Hintergrundinfos bekomme, hab ich die liebe Isabella Hofmann gebeten, mir einige Fragen zu beantworten:

Wie bist du/seid ihr auf die Idee gekommen, den #gallerywalk ins Leben zu rufen?
Die Idee ist in einer der BROTFABRIK-Sitzungen entstanden. Wir wollten eine gemeinsame Veranstaltung mit den anderen Galerien und Ateliers am Areal organisieren. Schließlich sollte man die Möglichkeit, dass gleich mehrere Kunstbetriebe an einem Ort versammelt sind, nutzen. Der erste Gallerywalk fand am 16. November 2016 statt, seitdem machen wir das regelmäßig einmal im Monat; meistens am vorletzten oder letzten Mittwoch. Die Führung bieten wir erst seit März an, da viele Besucher anfangs davon ausgegangen sind, dass es sich um eine geführte Tour handelt. Also haben wir uns gedacht: „Ja, warum nicht?“ und ich wurde dann dazu verdonnert, die Walks zu organisieren und durchzuführen ?. Außerdem ist es eine tolle Gelegenheit für Besucher, die zum ersten Mal in der BROTFABRIK sind. Die vielen Stiegen und Eingänge können nämlich ganz schön verwirrend sein.

Übrigens die Führung wird zusätzlich angeboten. Jeder, der möchte, kann die offenen Galerien zwischen 18:00 und 21:00 Uhr auch alleine besuchen.

Wie ist das Feedback bisher – seitens der BesucherInnen & Galerien?
Das Feedback ist sehr gut! Anfangs hatten wir wirklich viele BesucherInnen. Bei den ersten zwei Führungen hatte ich sogar an die 50 TeilnehmerInnen. Da haben wir alle nicht schlecht geschaut. Jetzt sind die Besucherzahlen wieder ein wenig gesunken; das liegt wahrscheinlich daran, dass wir den Walk monatlich anbieten und viele sich denken „ach, das hab ich schon gesehen“. Dabei ist das gar nicht der Fall, denn wir alle haben ständig wechselnde Ausstellungen und es gibt immer etwas Neues zu entdecken.

Wie siehst du die Galerieszene in Wien: wie hebt sich die Brotfabrik von Galerien ab, die zentraler liegen oder würdest du sagen, dass das wenig Unterschied für Interessierte bzw. potentielle Käufer macht?
Die Galerie-Szene ist vielleicht ein wenig verstaubt (natürlich nicht alle, es gibt auch schon einige aufstrebende junge Galerien). Das besondere an der Brotfabrik ist, dass mehrere Galerien und Künstler an einem Ort versammelt sind. Sowas wie das Museumsquartier nur eben im Kleinformat. Der große Vorteil ist eben, dass wir voneinander profitieren können. Ein Besucher der vielleicht nur das OstLicht sehen wollte, stellt dann fest dass es hier ja noch mehr zu sehen gibt und entdeckt dann vielleicht etwas, das er gar nicht gesucht/erwartet hat.

Wann findet der nächste Gallerywalk statt?
Die nächsten Walks finden am 22.11 und 13.12. statt. Vor Weihnachten werden wir dann einen Special-Weihnachtswalk machen. Da lohnt sich Vorbeikommen auf jeden Fall. ?

Liebe Isabella, vielen Dank für den spannenden Walk & das Interview – es war wirklich inspirierend und horizonterweiternd!

Linkliste

Brotfabrik Wien
Atelier 10
OstLicht
Hilger Next / Brotkunsthalle
Lichterloh
AnzenbergerGallery
Isabella: Experiencing Art Blog bzw. Instagram Account

Wer aktuelle Infos haben möchte, informiert sich am besten auf der Brotfabrik Facebook Page oder Webiste über den nächsten Walk. Ein E-Mail an Isabella.gallerywalk@brotfabrik.wien ist aber auch möglich.
Isabella Hofmann ist 23 und studiert Kunstgeschichte an der Uni Wien. Wenn sie nicht gerade bei einem Walk unterwegs ist, arbeitet sie in der AnzenbergerGallery.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.